Achtsamkeit

“Um die GFK zu üben, müssen wir langsam vorgehen, sorgfältig überlegen, bevor wir sprechen, und oft auch nur einen tiefen Atemzug nehmen und gar nichts sagen.

Den Prozess zu erlernen und ihn anzuwenden braucht beides seine Zeit.”

Marshall B. Rosenberg

Frieden

Frieden ist der Augenblick ohne Urteil.

Das ist alles.

Dieser Augenblick im Herzraum, in dem alles, was ist, willkommen ist.

(Dorothy Hurt)

Verletzlichkeit

Gedanken zu Verletzlichkeit

Je mehr ich mich mit der Gewaltfreien Kommunikation beschäftige und spüre, dass ich mich öffne und immer mehr wage, der Welt meine Aufrichtigkeit zuzumuten, im gleichen Maße steigt auch die Wahrnehmung meiner Verletzlichkeit.

Definition nach Brené Brown:

Verletzlichkeit ist Ungewissheit, Risikobereitschaft und emotionale Exposition. (Darlegung, Darstellung)

Was ist Verletzlichkeit für mich?

Sie führt zu Herzklopfen und feuchten Händen. Sie schafft eine unglaubliche Nähe zu mir und immer mehr zu anderen.

Sie erzeugt ein Wohlsein mit mir, eine Zufriedenheit in mir, sie zu leben kommt einem Glücksgefühl nah. Denn mir treu zu bleiben, mich aufrichtig zu zeigen mit allem was ich bin und sein möchte, ist es wert, dass ich ein Risiko eingehe.

Gleichwohl geht sie öfter mit Schmerzen einher, mit Traurigkeit über verpasste Chancen und über das stumme Leben. Und da umarme ich mich selber. Ich bin voller Trost und Wärme für mich, die es damals nicht besser wusste.

Aber heute gehe ich die ersten kleinen Schritte mit meiner Verletzlichkeit Hand in Hand und werde immer mehr die, die ich bin und sein möchte.

Zuhören

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören

Und Du fängst an, mir Ratschläge zu geben,

tust Du nicht das, worum ich dich gebeten habe.

 

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören

Und Du fängst an, mir zu erzählen,

warum ich mich nicht so fühlen brauche,

trampelst Du auf meinen Gefühlen herum.

 

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören,

und Du meinst, Du müsstest etwas tun,

um mein Problem zu lösen,

dann hast Du versagt,

auch wenn dies seltsam erscheinen mag.

 

Hör zu! – Worum ich dich bat, war, mir zuzuhören –
nicht zu sprechen oder etwas zu tun

– nur: mich zu hören.

Ein Ratschlag ist zu billig. Das gibt’s in jedem
Boulevard-Blatt. Das kann ich mir selbst kaufen.
So hilflos bin ich nicht.

Wenn Du mir etwas abnimmst, was ich selbst tun kann oder muss, verstärkst Du meine Angst und Unsicherheit.

Aber: wenn Du als eine einfache Tatsache akzeptierst, dass ich so fühle, wie ich fühle,
egal wie irrational es erscheint,
dann brauche ich dich von nichts mehr zu überzeugen. Ich kann anfangen, zu verstehen,
was sich hinter diesen Gefühlen verbirgt.

Und wenn das getan ist, werden die Antworten deutlich werden – und ich brauche keinen Ratschlag.

Deshalb höre mir zu –

Und sieh’ mich hinter meinen Worten.

 

Und, falls Du von dir erzählen möchtest,

warte einen Augenblick, bis Du an der Reihe bist

– und ich werde Dir zuhören.

 

Mythen zur Verletzlichkeit

Ja, wir sind völlig ungeschützt, wenn wir verletzlich sind.

Ja, wir stecken in der “Folterkammer”, die wir “Ungewissheit” nennen.

Und ja, wir gehen ein großes Risiko ein, wenn wir uns angreifbar machen.

Aber es gibt keine Gleichung, der zufolge Risikobereitschaft, das Einlassen aufs Ungewisse und Offenheit für die emotionale Exposition identisch mit Schwäche wären.

Aus: Verletzlichkeit macht stark, Brené Brown

Jeder Mensch ist ein Künstler

Lass Dich fallen.
Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen
und verteile sie überall in Deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.

Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere Dich, „verantwortlich zu sein“ – tu es aus Liebe!
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.

Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu.1921
Öffne Dich. Tauche ein. Sei frei. Preise Dich selbst.

Lass die Angst fallen, spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir. Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

Joseph Beuys (* 1921 in Krefeld; † 1986 in Düsseldorf, deutscher Aktionskünstler, Bildhauer, Zeichner, Kunsttheoretiker, Politiker und Pädagoge)

A Little Irish Luck

May the road rise to meet you,

May the wind be always at your back,

May the sun shine warm upon your face,

The rain fall soft upon your fields,

And until we meet again,

May God hold you in the palm of his hands.

May God be with you and bless you:

May you see your children’s children,

May you be poor in misfortune,

Rich in blessings,

May you know nothing but happiness

From this day forward.

Die kleine Schwester des Glücks

Wer von uns erinnert sich nicht daran, wie wir als Kinder dazu angehalten wurden, uns zu bedanken, meist für ein Geschenk. Den meisten wird dies damals als eine unangenehme Pflicht erscheinen sein – vor allem dann, wenn das Geschenk nicht den lang gehegten Wünschen entsprach. In diesem Zusammenhang spricht man ja auch von Dankespflicht und sogar von Dankesschuld. Doch Dankbarkeit zeigen zu müssen, ohne sie zu empfinden, kommt einem irgendwie lästig und falsch vor. Das haben wir schon als Kinder gefühlt. Und vielleicht liegt hier ja auch eine Ursache für das große Missverständnis um die Dankbarkeit in unserer Zeit. Denn dankbar zu sein, hat natürlich nichts mit Pflicht oder Schuld zu tun, sondern ist ein Grundgefühl, das wir Menschen ebenso wenig entbehren können wie Liebe, Wärme oder Geborgenheit.

Wer dankbar ist, ist auch zufrieden, weil Dankbarkeit die kleine Schwester des Glücks ist.

Sie ist zwar nicht grandios, überwältigend und strahlend wie das Glück – dafür aber die wesentlich zuverlässigere Weggefährtin. Mit ihr wird das Leben leichter, schöner und gelassener. Dankbarkeit schenkt uns einen Blick für das, was gut in unserem Leben ist, statt gelassener. Dankbarkeit schenkt uns einen Blick für das, was gut in unserem Leben ist, statt uns mit dem zu quälen, was alles besser oder nur anders sein könnte. Dankbarkeit verbindet und versöhnt uns mit der Welt, in der wir leben, und vermittelt uns die Gewissheit, dass wir nicht allein sind. Darin verborgen – wie ein Schatz – steckt die Wertschätzung für das Leben selbst, für Menschen, die wir lieben, für die Wunder der Natur.

Dankbarkeit ist das vielleicht schönste Geschenk, das ein Mensch sich selber machen kann.

Verfasser unbekannt

Unvollkommen

In meinen Beziehungen zu Menschen habe ich herausgefunden, dass es auf lange Sicht nicht hilft, so zu tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin.

Es hilft nicht, ruhig und freundlich zu tun, wenn ich ärgerlich bin und Bedenken habe.

Es ist nicht hilfreich, so zu tun, als wüsste ich Antworten, wenn ich sie nicht weiß.

Es hilft nicht, den liebevollen Menschen zu spielen, wenn ich im Augenblick feindlich gestimmt bin.

Es hilft nicht so zu tun, als wäre ich voller Sicherheit, wenn ich eigentlich beängstigt und unsicher bin.

Ich habe entdeckt, dass diese Behauptung sogar auf einer sehr einfachen Ebene gültig ist: Es hilft nicht so zu tun, als sei ich gesund, wenn ich mich krank fühle. (…)

Ich spüre, dass ich den Umständen gerechter werde, wenn ich mir erlaube, so zu sein, wie ich bin. Es ist für mich einfacher geworden, mich als einen entschieden unvollkommenen Menschen zu akzeptieren, der keinesfalls zu jeder Zeit so handelt, wie er handeln möchte. (…)

Wenn ich mich so, wie ich bin, akzeptiere, dann ändere ich mich.

von Carl R. Rogers